Grundregel: Pflichtpraktikum vs. freiwilliges Praktikum
Ob du als Praktikant Anspruch auf Mindestlohn hast, hängt von einer einzigen entscheidenden Frage ab: Ist dein Praktikum ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum?
- Pflichtpraktikum (Studienordnung, Ausbildungsordnung): kein gesetzlicher Mindestlohn – Unternehmen müssen aber "eine angemessene Vergütung" zahlen (faktisch oft 400–800 €/Monat)
- Freiwilliges Praktikum bis 3 Monate: kein Mindestlohn (Orientierungspraktikum)
- Freiwilliges Praktikum ab dem 4. Monat: Mindestlohn Pflicht
Das regelt der § 22 Mindestlohngesetz (MiLoG), der Praktikantinnen und Praktikanten explizit erwähnt.
Aktueller Mindestlohn für Praktikanten 2026
Der gesetzliche Mindestlohn gilt seit Januar 2024 in Höhe von 12,82 € brutto pro Stunde. Ab dem 1. Januar 2025 gilt ein Satz von 13,00 €/Stunde (geplant – Stand 2026). Bei einer 40-Stunden-Woche entspricht das ca. 2.254 € brutto pro Monat.
Wichtig: Der Mindestlohn ist ein Bruttolohn. Dein Netto hängt von Steuerklasse, Sozialversicherungsbeiträgen und der Frage ab, ob du über den Grenzen für Sozialversicherungsfreiheit liegst.
Ausnahmen: Wann gibt es keinen Mindestlohn?
Folgende Praktika sind vom Mindestlohn ausgenommen:
1. Pflichtpraktika (Orientierungs-, Schüler- und Studienpraktika nach Studienordnung)
Wenn deine Prüfungsordnung oder Ausbildungsordnung das Praktikum vorschreibt, gilt der Mindestlohn nicht. Das Praktikumsunternehmen muss allerdings trotzdem eine "angemessene Vergütung" zahlen – was das konkret bedeutet, ist gesetzlich nicht definiert, aber in der Praxis zahlen die meisten Unternehmen 400–800 €/Monat.
2. Freiwillige Praktika bis 3 Monate
Praktika, die freiwillig und als "Orientierungspraktikum zur Berufsorientierung" absolviert werden, sind bis zu einer Dauer von 3 Monaten vom Mindestlohn befreit. Achtung: Hat der Arbeitgeber bereits zuvor ein solches Praktikum mit dir durchgeführt, gilt die Ausnahme beim zweiten Mal nicht mehr.
3. Einstiegsqualifizierungen und ausbildungsbegleitende Praktika
Bestimmte institutionell geförderte Programme (z.B. Bundesagentur für Arbeit) sind ebenfalls ausgenommen.
Durchschnittliche Vergütung nach Branche
Unabhängig vom gesetzlichen Mindestlohn zahlen viele Unternehmen deutlich mehr. Laut Auswertungen von kununu, Glassdoor und unserem eigenen Gehaltsreport liegen die durchschnittlichen Praktikumsvergütungen 2026 bei:
| Branche | Ø Vergütung/Monat | Spanne |
|---|---|---|
| IT & Software-Entwicklung | 1.200 € | 800–2.000 € |
| Finance & Banking | 1.100 € | 700–2.000 € |
| Unternehmensberatung | 1.000 € | 600–1.800 € |
| Ingenieurwesen | 900 € | 500–1.500 € |
| Marketing | 700 € | 400–1.200 € |
| Medizin & Pflege | 500 € | 0–900 € |
| Soziales & Bildung | 400 € | 0–700 € |
| Journalismus & Medien | 550 € | 0–1.000 € |
Bin ich sozialversicherungspflichtig als Praktikant?
Das hängt wieder von der Art des Praktikums ab:
- Pflichtpraktikum: Sozialversicherungsfrei, egal wie viel du verdienst. Du bleibst in der Familienversicherung oder deiner Studentischen KV.
- Freiwilliges Praktikum bis 3 Monate: Kurzfristige Beschäftigung – in der Regel sozialversicherungsfrei (außer Rentenversicherung).
- Freiwilliges Praktikum ab 3 Monaten: Sozialversicherungspflichtig, wenn die monatliche Vergütung über 556 € liegt (Midijob-Grenze 2026). Bei Minijobs unter 556 € nur pauschale Arbeitgeberbeiträge.
Was tun, wenn du zu wenig oder gar nichts bezahlst wirst?
Falls dein Arbeitgeber den Mindestlohn nicht zahlt oder unbezahlte Arbeit einfordert, hast du folgende Optionen:
- Direkte Nachfrage: Sprich deinen Arbeitgeber an – oft handelt es sich um fehlende Information, nicht bösen Willen.
- Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS): Das Zollamt prüft die Einhaltung des Mindestlohngesetzes und nimmt Meldungen entgegen.
- Arbeitsrechtliche Beratung: Gewerkschaften und Studentenverbände (z.B. DGB, ver.di) bieten kostenlose Erstberatung an.
- Klage vor dem Arbeitsgericht: Als letztes Mittel – es gibt keine Klagefrist, solange du noch im Praktikum bist.